TDCC


Wie alles begann – und was bis heute daraus geworden ist

1977 zog Hildegard Ebigbo, geb. Raab aus Fremdingen und gelernte Heilpädagogin, mit Ihrem Ehemann,
Prof. Dr. Peter O. Ebigbo, und ihrem ersten Kind nach Nigeria.

Nigeria

Voller Tatendrang begann Sie in der Garage der Familie körperlich- und / oder geistig beeinträchtigte Kinder aus der Umgebung zu unterrichten. Dies war die Basis für die Idee des TDCC (Therapeutic Day Care Centre). Schnell wuchs die Zahl der Kinder über die Jahre an. Der Platz in der Garage wurde langsam eng und war dem Andrang und Interesse nicht mehr gewachsen. Da erklärte sich der Staat „Anambra State“ dazu bereit ein Grundstück für den Bau eines Kindergartens und einer Schule zur Verfügung zu stellen. Eigens hierfür wurde eine Organisation namens Afamefuma Charitable Organisation gegründet, um die staatliche Anerkennung durch die nigerianische Bundesregierung zu erlangen.

Mit finanzieller Hilfe der Caritas konnte 1982 das erste neue Gebäude erstellt werden. Mehrere folgten im Laufe der Jahre welche, die Schule zu ihrer heutigen Größe wachsen ließ. Caritas unterstützte dieses Projekt dankenswerter Weise bis ins Jahr 1999 hinein. Seit dem Jahr 2000 unterstützt das "Päpstliche Missionswerk in Aachen" - anfangs durch eine Aufstockung aller Spenden um 50 % - das Projekt. Seit dem Frühjahr 2002 konnten die Spenden jedoch nur noch um 35 % bezuschusst werden und seit Januar 2003 nur noch um 25 %, seit 2009 nur noch um 15%.

Da viele Familien, deren Kinder im TDCC Bildung, Geborgenheit und Schutz erhalten, nur über geringes, oder gar kein Einkommen verfügen und es Ihnen daher sehr schwer fällt oder sogar gar nicht möglich ist das nötige Schulgeld aufzubringen, ist das TDCC zum Großteil von Spenden und fleißigen Helfern abhängig.

1991 wurde der in etwa zwei km entfernte Workshop in Enugu eröffnet, in dem die Jugendlichen eine Art Berufsvorbereitung erfahren oder auch einen Beruf voll erlernen können. Dies war ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte des TDCC und vor allem im Leben der SchülerInnen – Sie haben nun eine reelle Chance nach der Schule durch eine Berufsausbildung, wie zum Beispiel dem Beruf des Schneiders oder Schumachers, ein eigenständiges Leben zu führen. Die „Kinder“ haben so eine reale Zukunft, in der es ihnen möglich ist sich eine eigene Existenz aufzubauen und sich somit selbst versorgen zu können.

Man kann schon sagen, dass dieses Projekt ein „voller Erfolg“ durch die Jahre hindurch geworden ist.

Im Jahre 1994 wurde in Ihiala, Anambra State, zusätzlich eine Integrativschule für leicht behinderte und nicht behinderte Kinder gegründet.

2006 hatte das TDCC das Glück in den Adventskalender des Programmes „Sternstunden“ vom Bayerischen Fernsehen aufgenommen zu werden. Mit Günther Netzer als Pate wurden 45.000 € gesammelt. Dieses Geld wurde dazu benutzt einen Brunnen an der Integrativschule in Ihiala zu bauen, eine sehr große Zisterne auf dem Gelände des Workshops und eine kleinere auf dem Gelände des Kindergartens/Sondervolksschule. Im Jahr zuvor hatten die Sternstunden bereits ein Therapiehaus gebaut. Um an frisches Wasser zu gelangen mussten die Kinder zuvor jeden Tag einen beschwerlichen Weg zum Fluss auf sich nehmen um in Kanistern ihre Last zurück zum Workshop zu transportieren. Mithilfe der Zisternen kann nun auch Wasser gesammelt werden, das während der Regenzeit über das Dach in die unterirdischen Tanks geleitet wird.

Am 10. Januar 2010 wurde Hildegard Ebigbo mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, für Ihre Lebenswerk und Ihr soziales Engagement in Enugu / Nigeria, durch den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herr Joachim Schmillen, geehrt.

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Joachim Schmillen

Nach mehr als 30 Jahren unermüdlicher Arbeit, soll diese Ordensverleihung die verdiente Anerkennung von Hildegard's Arbeit sein.

Im Jahr 2010 spendete Sternstunden e.V. einen neuen Schulbus (Toyota Coaster Dieselbus) mit 30 Sitzplätzen im Wert von 54.000€. Unsere Kinder sind begeistert über die nun etwas komfortablere Fahrt zur Schule und zurück.

Dank der fortdauernden Unterstützung durch Sternstunden e.V. konnte im Jahr 2011 mithilfe der Spendensumme von über 20.000€ nun endlich ein seit langer Zeit nur halbfertiges Schulgebäude in Ihiala endlich fertiggestellt werden.
Im September desselben Jahres - pünktlich zum neuen Schuljahr - konnte eine inklusive Secondary School, Klasse 1 (von 6) ins gestartet werden. Bereits in diesem ersten Schuljahr war die Klasse mit rund 40 Kindern gut besucht und bestätigt nur, dass diese dringend notwendig geworden war. Die Klasse 2, also die Folgeklasse, soll im Anschluss, also im neuen Schuljahr 2012, begonnen werden.

Auch 2012/2013 unterstützte Sternstunden e.V. unsere Einrichtung weiterhin tatkräftig. Die nutzungsbezogenen Gelder, die uns in diesem Jahr in Höhe von 68.000€ zur Verfügung gestellt worden sind, wurden im Laufe dieses und des nächsten Jahres für den Bau von 4 Klassenräumen, einem Therapieraum, einer Bibliothek, eines Büros und anteilig für die Verpflegung der Kinder im Wohnheim, sowie für Arbeits- und Werkmaterialien eingesetzt.

2014
Inzwischen sind wir bereits in der 3. Klasse der Jun. Second. School angekommen. Wir haben die staatliche Genehmigung dafuer bekommen und werden im Mai/Juni 2O14 zum ersten Mal die Pruefung fuer das Basic Education Certificate in unserer Schule abhalten koennen. Das kommt am Ende des 3. Jahres. Wir konnten ein hauswirtschaftliches Labor einrichten und die Buecherei fuer die Secondary School weiter ausbauen. Die 4 Klassenzimmer, Therapieraum und Bibliothek, deren Bau von den Sternstunden gesponsert wurden, sind alle fertig und werden bereits genutzt.
Unsere Elternvereinigung plant in den naechsten 2 Jahren Laborraeume zu bauen. Mit dem Bau soll noch vor Ostern dieses Jahr begonnen werden.
Im Januar 2O14 ist unsere Einrichtung 35 Jahre alt geworden. Wir haben auf dem Gebiet der Inklusion grosse Erfahrungen gesammelt und gesehen, dass es funktionieren kann.

2015 & 2016
Im Jahr 2015 konnten wir den Bau von 5 neuen Klassenzimmern und die Renovierung von 2 bestehenden Klassenzimmern abschließen. „Sternstunden“ in München bezuschusste dieses Projekt mit 70,000 Euro.
Ende des Jahres 2015 bauten wir das Obergeschoß für das Laborgebäude aus. Anfang Januar 2016 waren diese Arbeiten beendet.
Die Eltern-Lehrer Vereinigung unserer Schule finanzierte dieses Projekt.
Im Mai/Juni 2015 fanden in unserer Einrichtung zum 2. Mal die externen Examen zum Abschluss der Junior Secondary School statt. Alle unsere Kinder waren erfolgreich.
Im September 2015 konnten wir zum 1. Mal mit einer Senior Secondary Klasse 2 beginnen.
Die Arbeit der „Parents Support Group“ für Kinder mit „Special Needs“ für alle Betroffenen in Nigeria hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Mehr Eltern registrieren sich in dieser Vereinigung. Wir konnten einigen Frauen, die aus dem Nordosten Nigerias wegen der Terroristen (Boko Haram) mit ihren Familien fliehen mussten, Arbeit geben.

2016 Nachdem im Januar 2016 das Laborgebäude fertig gestellt war, wurden die Labors für Physik, Chemie, Biologie, Landwirtschaft und Hauswirtschaft mit den grundlegenden Geräten und Materialen ausgestattet.
Im Juni/Juli 2016 wurde die „Senior Secondary School“ von der Schulbehörde geprüft und einige Wochen später kam die offizielle Genehmigung.
Im November 2016 kamen die Inspektoren vom „West African Examination Council“ und auch sie gaben der „Senior Secondary School“ die Genehmigung für das Abhalten der externen Prüfungen am Ende der 3. Klasse der Senior Secondary School. Mit diesem Abschluss können sich die Kinder dann für die Aufnahmeprüfung der Fachhochschule oder Universität bewerben.
Im Frühjahr 2016 kauften wir einen gebrauchten 608 Mercedes Bus aus Deutschland. Wir modellierten ihn um als Schulbus mit Sitzbänken und gaben ihm eine neue Farbe.
Wir arbeiten weiterhin erfolgreich im Rahmen des Integrations- und Inklusionsgedanken.

2017 Im Frühjahr des Jahres 2017 bekamen wir vom Bundesministerium für Erziehung in Abuja die Nachricht, dass wir einen Zuschuss von 2,9 Mio. Naira, das sind etwa 7.250 Euro, für ein von uns gewähltes Projekt bekommen könnten. Daraufhin beschlossen wir, auf unsere alte, zu kleine Schulhalle, eine größere Halle mit eigenem Fundament zu bauen. Die alte Schulhalle musste so nicht abgerissen werden und kann nach Renovierung als Mehrzweckhalle verwendet werden. Der ganze Bau wird allerdings mehr als 15 Mio. Naira, etwa 27.500 Euro, kosten. Wir waren das ganze Jahr über mit den Bauarbeiten beschäftigt und zu Ende des Jahres 2017 war die Renovierung der alten Halle abgeschlossen sowie der Rohbau für die neue Halle fertig. Dieses Bauprojekt wird zum großen Teil durch Spenden finanziert.
Im Jahr 2017 konnten wir zum ersten Mal die Prüfungen für die Senior Secondary School an unserer Schule durchführen. Mit diesem Abschluss können sich die Kinder dann auf die Aufnahmeprüfung für die Fachhochschule oder Universität bewerben. Dieser Abschluss würde in Deutschland zwischen Mittelschulabschluss und Abitur liegen. Der überwiegende Teil unserer Schüler konnte bei diesen Prüfungen gute Ergebnisse erzielen.
In Enugu und Ihiala war es uns möglich die Computerräume zu modernisieren. Die alten Computer waren zum Teil nicht mehr einsatzfähig. In unserer Einrichtung in Enugu können 17 Kinder gleichzeitig an den Computern arbeiten und lernen.
Im Jahr 2017 haben wir wieder einen gebrauchten Bus aus Deutschland gekauft. Wir mussten ihn zu einem Schulbus ummodellieren, Fenster und Sitze einbauen, neue Reifen kaufen und ihm eine neue Farbe geben.
Im Mai 2017 organisierten wir im Kindergarten eine kulturelle Woche. Die Kinder lernten praktisch über die drei verschiedenen größten Stämme Nigerias, nämlich Igbo, Haussa und Yuroba. Sie durften sich entsprechend der Gewohnheiten der Stämme anziehen und zur jeweiligen Musik tanzen. Auch die verschiedenen Essgewohnheiten kamen zur Sprache und wurden ausprobiert.
Unsere Schule beteiligte sich aktiv an den "Special Olympics" die weltweit für Kinder und Jugendliche mit intellektuellen Beeinträchtigungen organisiert werden. In regionalen Veranstaltungen treffen sich dafür Kinder aus verschiedenen Schulen für Wettkämpfe. Das Motto lautet: "Dabei sein ist das wichtigste". Unsere Kinder sind mit viel Freude dabei und erleben eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls.
Wir haben es geschafft auch weiterhin im Rahmen des Integrations- und Inklusgedanken weiterzuarbeiten. Vor allem Eltern von nicht behinderten Kindern müssen davon überzeugt sein, dass ihre gesunden Kinder in einer inklusiven Einrichtung nicht benachteilgt werden. Das Gegenteil ist der Fall: Achtsamkeit, Respekt und Verständnis für den jeweilig anderen werden durch dieses gemeinsame Unterrichten geschult. Und alle Kinder lernen dadurch für's Leben.

Es bleibt spannend, was als nächstes kommen wird. ...